Moritz in Frühlings Erwachen, Frank Wedekind
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Dienstag, 21. Februar 2012
>>[...]Das Mädchen, Melchior, genießt wie die seligen Götter. Das Mädchen wehrt sich dank seiner Veranlagung. Es hält sich bis zum letzten Augenblick von jeder Bitternis frei, um mit einem Male alle Himmel über sich hereinbrechen zu sehen. Das Mädchen fürchtet die Hölle noch in dem Moment, da es ein erblühendes Paradies wahrnimmt, Sein Empfinden ist so frisch wie der Quell, der dem Fels entspringt. Das Mädchen ergreift einen Pokal, über den noch kein irdischer Hauch geweht, einen Nektarkelch, dessen Inhalt es, wie er flammt und flackert, hinunterschlingt...[...]<<
Donnerstag, 9. Juni 2011
Mittwoch, 27. April 2011
Sonntag, 9. Januar 2011
nicht zu vergessen.
Oma sang.
1955.
Und sie sah so süß dabei aus. Und sowieso.
Opa saß in der zweiten Reihe.
Er sagte zu Freunden:
>> Der bunte Vogel?
Die bringt vielleicht einen Eisblock zum Schmelzen.
Aber bestimmt nicht mich.>>
Donnerstag, 6. Januar 2011
fließende Darmentleerung.
'When I was young I wanted to become a real artist. Then I started doing something I felt wasn't real art, and it was through this that I became a well-known artist.'
Dieter Roth
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/thumb/5/57/Literature_sausage.jpg/800px-Literature_sausage.jpg
Donnerstag, 9. Dezember 2010
peoplewatching #7: 'O loving hate'
Seit zwanzig Minuten sitzt er vor einem Teller mit Entenbrust, Rotkohl, Kroketten und einem Schüsselchen Bratapfeleis.
Er telefoniert, stellt nochmal genauer den Treffpunkt dar und wartet geduldig weitere zehn Minuten.
Ein kleiner Giftzwerg kommt um die Ecke. Sein Gesicht, seine Augen sprechen von großer Verliebtheit. Verklärt schaut er das Hutzelweibchen an, rückt ihm den Stuhl zurecht.
Sie legt ab und macht sich über das Essen her. Eine Krokette in die rechte, einen Haufen Rotkohl in die linke Backentasche gestopft.
Schnell noch zwei verrupfte Stücke Entenbrust hinterher, es könnte ja Platz zum Kauen in der Mundhöhle bleiben.
Auf seinem Gesicht noch immer ein Schleier in rosarot.
Zwischen dem Mahlen ihrer Kieferknochen findet der Gnom Zeit, den Teller zu heben und strafend auf die leere Fläche darunter zu sehen.
Er versteht nicht, sie deutet etwas vehementer mit spitzem kleinen Finger auf: nichts.
Sie schaut ihn an.
Sprotzt an ihrem Essensbrei ein schnodderiges und herablassendes "Serviette?!" vorbei.
Es wird gemurmelt und gemeckert, an eine Serviette hat Hans im Glück nicht gedacht. Angst glitzert in seinen Augen.
Sein Arm liegt über die ganze Dauer des Fraßes beschützend und bewahrend auf ihrer Stuhllehne.
Irgendetwas muss an ihr, in ihr sein, was dem Rest der Welt so erstmal verborgen bleibt.
Zwanzig Zentimeter davor bin ich Zeuge dieser rührseligen Szene. Ich greife in meine Tasche, reiche ihr wortlos, aber mit einem Lächeln ein Taschentuch.
Bei ihrem Blick glitzert mir die Angst in den Augen. Trotzdem wischt sie sich wortlos das Fett aus dem Gesicht.
Ihn anzuschauen, das traue ich mich nicht so recht.
Das Schlingen ist beendet. Ich lutsche indes noch auf meinem Bratapfeleis herum.
Der Abgang ist kühl.
Sie geht ohne weitere Kontaktaufnahme drei Schritte voraus. Er stolpert hinterher, nimmt allen Mut zusammen und schafft es noch sich kurz umzudrehen.
Er flüstert ein gehauchtes "Danke".
Freitag, 3. Dezember 2010
Bist du dein eigener Experte?
"Unter allein den jungen Leuten habe ich eigentlich nur mit Dir gesprochen, und wenn ich schon mit andern sprach, so war es nur nebenbei oder Deinetwegen oder durch Dich oder in Beziehung auf Dich. Du warst, neben vielem anderen, auch etwas wie ein Fenster für mich, durch das ich auf die Gassen sehen konnte. Allein konnte ich das nicht ..."
Kafka
Oftmals blicke ich voller Neid auf diejenigen unter uns, die standhaftesten Fundaments Herren ihrer Lage sind.
Da stehe ich vor Lehrer, Dozenten oder anderen Cracks des jeweiligen Gebiets und es bleibt mir der Mund offen stehen, angesichts des vollkommen lückenlos dargebotenem Wissen, das mir mein Gegenüber im Brustton der Überzeugung entgegen preschen kann.
Man sagt mir zwar, ich habe ein gutes Gedächtnis.
Ereignisse, Personen, Sachverhalte, die in irgendeiner Weise in der Vergangenheit einprägsam und wichtig waren; Bücher, Bilder, Filme, die bleibenden Eindruck hinterlassen haben, kann ich noch lange Zeit abrufen und von ihnen erzählen.
Aber eben nur, wenn sie in meinen Augen merkenswerte Qualität, Eindruckskraft besaßen.
Auch viele Dinge, die ich gelernt habe, sind mir eingebrannt, in Fleisch und Blut übergegangen.
Aber ein Fachgebiets-Crack? Lange muss ich überlegen, wenn ich einen Teilbereich nennen müsste, in welchem ich mich als „Experte“ bezeichnen sollte.
Letztendlich würde ich dann lieber davor passen.
So machen mich, zum Beispiel Historiker und ihr schier endloses rezitierbares Repertoire an Daten und Zusammenhängen, schlicht sprachlos.
Oder werdende, wie fertige Germanisten und andere Literaturwissenschaftler, die bereits das 5fache von dem gelesen haben, was ich in meinen Leben bisher geschafft habe zu lesen.
Oder Kirchler, die ad hoc zu jeder passenden Situation aus der Bibel zitieren können.
Oder Musikcracks, die jede Band, jede Epoche, jede Stilrichtung, jeden Künstler nennen und miteinander vergleichen können.
Oder oder oder.
Ich bin in diesen Situationen voller Neid. Wenn mir jemand gegenüber steht, der so vollkommen sicher und wissend ist. In dem was er tut. Sagt. Denkt. Weiß. Und ich bin beeindruckt, fast ehrfürchtig.
Von vielen Dingen ein bisschen wissen, von einer Menge ein Stückchen können – das tue ich vielleicht. Und das mag manchmal besser sein, als von dem Einen viel und von dem Rest nichts beherrschen zu können. Oder gar von gar nichts etwas. Das ist klar.
So richtig erstrebenswert finde ich das aber irgendwie nicht.
Damit ist das ein klares Lebensziel für mich.
Irgendwann mal mein eigener Experte zu sein.
Woah.
Freitag, 8. Oktober 2010
Rapunzel und der Kohldampf
>> Kleine Jungen spielen mit dem Holzschwert, kleine Mädchen mit Prinzessinnen-Hackenschuhen und Mutti´s Lippenstift. Naja, so zumindest das Klischee.
Aber wozu das alles?
Auch wenn wir Jungs damals doof fanden und Mädchen ja total ätzend waren, diente wohl auch das schon dazu, den Gegenüber auf uns aufmerksam zu machen.
Damit dieser, oder diese, doch bitteschön wenigstens uns besonders öde findet.
Wir wollen nicht alleine bleiben und hofften vielleicht schon damals – wenn wir denn von der verträumten Sorte waren - mit Prinz oder Prinzessin irgendwann unser eigenes Märchen zu schreiben.
Später lernten wir, dass das Leben nicht immer so wie im Märchen verläuft.
Prinz Charming wird nicht einfach auf uns aufmerksam, nur weil wir verträumt aus dem Fenster starren und unser güldenes Haar bürsten.
Und Rapunzel fingierte wohl auch keine keine entzückte Ohnmacht - um gleich wieder aufgefangen zu werden, versteht sich - wenn der Holde von der Jagd verschwitzt vom Rosse stieg, sich mit Kohldampf und stinkenden Füßen an die Tafel setzte und der Magd in den üppigen Ausschnitt starrte.
Aber deswegen gleich das Träumen und Wünschen komplett ad acta legen?
Ich finde das sollte man nicht tun.<<...
..und so ähnlich wünschte ich dem nächsten Paar in meinem Bekanntenkreis alles Gute für ihre bevorstehende Ehe. Ich wünschte ihnen ganz viel Liebe, Stärke, Vertrauen, aber auch Unbekümmertheit und immer ein bisschen Zauber. Damit sie mit diesen feengleichen Gaben ab hier ihr eigenes, ab nun gemeinsames Märchen, gestalten können.
Dabei macht es hoffentlich nichts, dass ich in den meisten Beziehungen, die um mich herum existieren, so gar nichts Märchenhaftes erkennen kann.
Zumindest der Wunsch, dass in der zwischenmenschlich wohl innigsten Bindung, die man eingehen kann, auch etwas Überirdisches, Unrealistisches existieren sollte, ist ganz ehrlich gemeint.
Man nenne mich eine Träumerin, wenn ich glaube, dass man so etwas finden kann.
Aber ist es nicht erstrebenswert, jenseits des schnellen Lebens, wütender und gestresster Menschen, des schlechten Wetters und alldem, was einen tagein, tagaus von der Wolke holt - und ja zugegebenermaßen auch holen sollte – wenigstens in der Zweisamkeit etwas albern, verrückt, abgehoben, zauberhaft sein zu dürfen?
Nicht Schlimmeres kann ich mir vorstellen, als dass man auch in der Liebe eher den Mund hält, als offensichtliche Probleme anzusprechen, um die empfindliche Oberfläche nicht zu zerbrechen.
Dass man blind wird, wenn die eigene Vorstellung vom Leben, die man sich vor Jahren einmal aufgebaut hat, nur um des Einhaltenwollens dieses Planes erzwungen wird.
Wenn man auch in der Liebe immer vernünftig sein muss, weil das Leben ja nun einmal vernünftig ist.
Wenn man sich zufrieden gibt mit dem, was gerade so zufrieden stellt. Weil man Angst hat vor dem Alleinesein.
Wenn man sein Träumen zurückstellt, weil bei zwei Personen kein Platz mehr sein soll, für das Eigene.
Ein Widerspruch? Weil Märchen nur oberflächlich gut verlaufen?
„Nur eines macht sein Traumziel unerreichbar: die Angst vor dem Versagen.“
aus "Der Alchimist", Paulo Coelho
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