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Dienstag, 27. März 2012

∞

Endlosschleife.
Es kommt selten vor, dass ich Musik finde, die mich so richtig an den Eiern packt. Bei der ich, wenn ich sie höre,keinen klaren Gedanken fassen und weit weg träumen kann. Mit Magen und Herz mittendrin bin. Das hier ist so ein Stück Musik. Keine Ahnung, ob das alt und mega bekannt ist. Wunderbar finde ich es auf alle Fälle.

Freitag, 23. Dezember 2011

Keeping the eyes and heart open.
Merry christmas.


"Early each day to the steps of Saint Paul's
The little old bird woman comes
In her own special way to the people she call,
"Come, buy my bags full of crumbs;
Come feed the little birds,
Show them you care
And you'll be glad if you do
Their young ones are hungry
Their nests are so bare
All it takes is tuppence from you
Feed the birds, tuppence a bag
Tuppence, tuppence, tuppence a bag
Feed the birds," that's what she cries
While overhead, her birds fill the skies

All around the cathedral the saints and apostles
Look down as she sells her wares
Although you can't see it, 
You know they are smiling
Each time someone shows that he cares

Though her words are simple and few
Listen, listen, she's calling for you
"Feed the birds, tuppence a bag
Tuppence, tuppence, tuppence a bag"


Julie Andrews as Mary Poppins, Mary Poppins



Montag, 8. November 2010

Der Gaul, der dich ritt.

In was verlieben wir uns eigentlich?
Es mögen manchmal braune Augen sein. 
Die Art, wie sich Wimpern auf hohe Wangenknochen betten. 
Der Musikgeschmack, dessen Unabhängigkeit und Authentizität uns beeindruckt.
Die Aura, die Bandmitglieder von Natur aus mit sich bringen.
Die Überraschung, dass dort jemand hervorragend mit Gitarre zur Abendgestaltung im Petroleumschein der Sommernächte beitragen kann.
Eine Wahnsinns-Empathie und Geduld im Umgang mit kleinen Kindern.
Selbstlosigkeit für Großmama.
Eine Stimme zum Daniederschmelzen.

Und manchmal reicht vielleicht einfach ein Mixtape.

In das kann man dann alles oben Genannte hinein wünschen und darüber hinaus hinwegsehen, dass man sein Herz eventuell nur an einen Traum, an eine Vorstellung verloren hat.
Ein Traum, der als Wolf im Schafspelz, in Form eines emotional retardierten Technikeigenbrötlers daher kommt.

Da braucht es dann doch tatsächlich ganze Jahre zu merken, dass da zwei absolut inkompatible Faktoren versuchen, eine Gleichung herzustellen.
Da ruckelt es an Ecken und Kanten.
Aber man kann sich nicht ewig vormachen, dass da etwas passend gemacht werden könnte, was einfach nicht passt.
Einzig erstaunlich dabei ist eigentlich, dass nur Faktor A auffällt, dass sich kein gemeinsamer Nenner finden lässt.
Hat Faktor B denn nur Tomaten auf den Augen?
Ach nee, stimmt ja. Es kann einem ja auch einfach egal sein, solange es einem selbst gut geht. „Wie, stimmt etwa etwas nicht?“

Das geht tatsächlich. Gemeinsame Jahre (!). 
Keine gemeinsame Sprache. Kein gemeinsames Ziel. Kein gemeinsames Verständnis. Keine Gegenseitigkeit.
Erstaunlich.

Und dann betrachtet man mit einigem Abstand den Umstand, den man nun heute als Ex-Freund bezeichnet. In seiner und in deiner Struktur noch ausgeprägter als Jahre zuvor.
Keine nebulös verhangenen Augen mehr.
Und fragt sich ganz ernsthaft, mit nicht dem geringsten Anflug von Wehmut oder gar Nostalgie:

Was hat mich denn damals nur geritten?
Was hat mich gepackt? Hat mich etwas fasziniert?
Wo hinein, verdammt noch mal, hab ich mich da eigentlich verliebt?

In braune Augen?
In starke Arme? In eine Aura? In ein Mitgefühl? In ein Verständnis?

Oder war es nur ein Traum? Und ein verdammtes Mixtape.

Montag, 4. Oktober 2010

Tischmanieren und Ausmalbücher

Diesen Monat wäre er 79 geworden. 
Wäre er. 
Denn er starb, als ich fast 12 war. 
Er lag davor lange im Krankenhaus. Alle waren hoffnungsvoll, dass er es noch mal nach Hause schafft. Aber dann, eines morgens.... 
Nein, nicht irgendeines morgens. Es war der Morgen des 22. Januars 1996, kurz vor meinem 12. Geburtstag. 
Ich musste zur Schule und saß gerade auf dem Klo, als meine Mutter ins Badezimmer kam. 


Lange habe ich ihr nicht verziehen, wie sie mir erzählte, dass Opa letzte Nacht gestorben sei, als ich mit runtergelassener Hose auf dem Pott saß. 
Ich heulte und versuchte die Situation einigermaßen würdevoll über die Bühne und meine Unterhose wieder über den Hintern zu bringen. 
Das war wirklich nicht schön. Beschreibt aber eigentlich gut, wie blind meine Familie für lange Zeit dann mir gegenüber war.
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass meine Mutter gar nicht bemerkt hat, in welcher Lage ich mich da gerade befand.
Trotzdem, das war wirklich gemein. Mein beginnendes Teenager-Ich empfand die ganze Situation als extrem unwürdig.

Ich habe meinen Opa geliebt, wie eine 12jährige ihren Opa nur lieben und vergöttern kann.

Wegen des damaligen Angestelltenverhältnisses meiner Eltern wuchs ich als erstes Kind der ältesten Tochter quasi bei meinen Großeltern auf. 
An die Babyzeiten kann ich mich natürlich nicht erinnern. 
Aber dann kam ich in den Kindergarten und erinnere mich daran, dass ich morgens oft eine Szene machte, wenn meine Mutter mich dort ließ. Der Kindergarten war wundervoll, aber ich wusste wohl irgendwann, dass mich jeden Tag meine Oma mit dem Fahrrad abholen  und ich erst wieder zum Schlafen gehen ins elterliche Heim kommen würde.

Auch bei Oma und Opa war es super. Ich hatte dort meine eigenen Malsachen, die Butschersachen für das Spielen mit den anderen Kindern draußen und Oma hatte einen prall gefüllten Schnuckerschrank. 
Ich entwickelte eine ausgefuchst leise Taktik, diesen während ihres Mittagsnickerchens zu öffnen. Dachte ich. Gemerkt hat sie es trotzdem immer, wenn einige Süßigkeiten fehlten. Aber böse war sie natürlich nicht.

Mein Opa war sehr krank. Er lernte meine Oma in der Kur für Tuberkulose Kranke kennen. Obwohl man wohl eher sagen müsste, dass Oma ihn kennenlernte. Sie erzählte, sie habe ihn vom Fenster ihres Krankenzimmers aus gesehen und gewusst , „Den will ich haben“. Hat funktioniert. Früher war das irgendwie einfacher.

Opa fuhr zur See und arbeitete später in einer Werft. Dort wurde er dann so schlimm krank, dass er sich nie wieder ganz davon erholte. Für mich war er natürlich immer alt, mit seinem grauen Bart, dem Hut und dem Bauch. Aber er muss damals noch recht jung gewesen sein, vielleicht in den 40ern.
Die Asbestose, die sich in seinen Lungen ausbreitete, schwächte ihn sehr. Die Gesundheit einfacher Arbeiter war kein solch hohes Gut.

Für einen großen, starken Mann wie er war, muss es schwer gewesen sein auf die Pflege seiner Frau und an die Wohnung gefesselt zu sein. Für mich als seine Enkelin war es dann aber schön, dass er soviel Zeit mit mir verbringen konnte. Er half beim Ausmalen und Lesen lernen, achtete darauf, dass ich die Grundlagen der Hausarbeit und Tischmanieren lernte und ging mit mir spazieren. Er knuddelte mich, ich durfte auf seinem Schoß sitzen und ich liebte ihn.

Wir hatten ein selbst gebautes Ferienhaus an einem Quellsee. Oma und Opa hatten in der Nähe Wohnwagen und Zelt. Dort war ich fast noch lieber, weil ich den Geruch im Trailer und das Geräusch des Regens darauf so sehr mochte. 

Opa saß irgendwann dann  für lange Strecken hauptsächlich im Rollstuhl, auf ebenen Straßen konnte ich ihn schieben und habe lange Ausflüge in den Ort, oder in den Sommerferien eben ganz um den Baggersee,  gemacht. 
Manchmal war das zu weit und ich musste schnell schieben, weil er nötig auf die Toilette musste. Aber diese Zeit mit ihm allein zu verbringen, das war für mich damals - ich muss ungefähr 9 oder 10  gewesen sein - einfach das Größte.
Und trotz Rollstuhls und Asthmasprays war er in meinen Augen nie krank oder schwach oder gebrechlich.
Er war einer der wenigen starken Menschen und tragenden Säulen in meiner verrückten Familie.
Entweder liegt das daran, dass man als Kind die Erwachsenen so verklärt sieht oder aber, er war tatsächlich solch eine starke, große Persönlichkeit, dass sein Einfluss bis heute schillert.

In der Zeit der Trauer war ich Luft für meine Familie. Es hat keiner mit mir gesprochen, außer um dem eigenen Schmerz Luft zu machen. 
Das ist wohl verständlich. 
Man kann den Verlust seines Großvaters nicht vergleichen, mit dem Verlust seines Vaters oder der Liebe seines Lebens.
Und doch war ich in meinem zwölfjährigen Leben so traurig, wie noch nie und wusste nicht wohin mit mir.

Noch heute träume ich ab und an von ihm, ich weiß noch genau, wie er roch und wie seine Stimme klang.

Und immer noch kommen tolle Geschichten dazu, meine eigenen Erinnerungen werden durch die seiner Töchter und seiner Frau ergänzt.

Und manchmal kommt es dann eben dazu, dass es mich überwältigt und mir mein Opa selbst nach 14 Jahren noch unglaublich fehlt und mir dicke und heiße Krokodilstränen aus den Augen laufen, so wie heute.
Ganz für mich alleine.




Montag, 27. September 2010

peoplewatching #3: Stellerchen

Strumpfhose und Wollsocken an, Schal und Mantel umgeschnallt, Kapuze auf dem Kopf und Musikknöpfchen im Ohr: 
so ausstaffiert trotze ich dem kalten und nassen End-September-Wetter, dass ich sowieso ganz wundervoll finde. Tori Amos zwitschert mir ins Ohr, während ich über Kies und das erste Herbstlaub knistere.

Ich muss mich wie immer daran erinnern, dass mich die Menschen um mich herum sehr wohl hören können, wenn ich wegen des MP3-Players noch tauber als sonst, lauthals mitsinge. Das funktioniert nicht mehr so wie früher, als man sich einfach die Hände vor die Augen hielt, wenn man für die Welt unsichtbar sein wollte. Sehe ich dich nicht, siehst du mich nicht.
Es könnte zwar auch irgendwie ganz putzig und herzallerliebst sein, wenn eine Mittzwanzigerin (bin ich das noch?) selbstvergessen in der Bahn losposaunt. Nicht aber bei mir...dazu singe ich zu schräg. Leider.

Tori´s sphärisch bodenständige Musik hat mir schon oft meinen Tag gerettet und mich durch die Stimmungen getragen. Ich bin wirklich glücklich, dass ich sie als Souvenir aus meiner bisher längsten Beziehung mitnehmen durfte.

Sie ist eine der schöneren Überlebenden, wenn nicht die wertvollste, die aus Männergeschichten entstanden sind, mir ans Herz gelegt oder vorgestellt wurden und mich viel länger als die Bettwärme der verflossenen Liebschaft begleiten durfte.

Die meisten Überlebenden sind Fressalien. Seitdem ich das erste Mal verliebt war zum Beispiel, finde ich Senf auf Käse supergeil. Und obwohl ich nicht so die Süßigkeiten-Addict bin, darf´s seitdem nach dem Essen auch gerne mal Schoki sein.
Das war mehr als ein Jahr Pflicht bei meiner Big Love No.1. Ein paar Kilos zuviel zählten dadurch auch zu den mitgenommenen Hinstellerchen, die gute 3 Jahre brauchten, ehe sie sich verstaubt wieder verabschiedet haben.
Nach einer darauf folgenden eher frustrierenden Affäre, konnte ich meine heißgeliebte Jasmin Tabatabai Scheibe lange Zeit in die Ecke pfeffern. Auf langen Wegen mit dem Überlandbus in die Pampa, habe ich die rauf und runter  gehört. Als es mit Mr. 20 cm dann nach ein paar Wochen aus war, hat mir die Musik nur noch schlechte Laune gemacht.
Kakao zum Frühstück hat nicht lange angedauert, dafür habe ich als Stalking Opfer zunächst bei jedem anfahrenden rote Kadett einen Sprung in die Büsche gemacht und schließlich die Stadt verlassen.

Parallel zur längsten Liebe überdauern auch die Souvenirs daraus nachhaltig. Hier wurde ich mit Kaffee angefixt. Und ich meine Kaffee, und keinen Latte-DoubleChoc-Caramel-Mintflavoured Kram. Den mag ich ab und zu zwar auch, aber ohne Kaffee geht gar nichts mehr. Ich kriege ohne die alltägliche Koffeindosis Kopfschmerzen, schlechte Laune und die Klütschen gar nicht erst richtig auf.
Und nach durchknutschten Nächten im Auto mit ziemlich passender musikalischer Untermalung gehört die Amos eben zu meinen Lieblingen. Dafür bin ich wirklich dankbar.
Zum Ende dieser Liebe verlor ich dann auch endlich die überschüssigen und noch ein Paar mehr Pfunde.

Als Single pflegt man dann ja mehr seine eigenen Marotten.
Ob dann aber 100jährige Beziehungen gleichbedeutend mit Stillstand, da keine neuen Stellerchen mehr auf dem Weg ins Regal sind, gilt es noch rauszufinden und ist letztendlich ja auch jedem selbst überlassen und beeinflussbar....

....denke ich mir so und trete wieder hinaus auf die herrlich verregnete und graue Straße.